Food for thoughts, in three minutes: Der MANUS Coaching-Letter entstand aus der Idee, Ihnen zusätzliche Impulse und Gedankenanregungen für Ihren Führungsalltag zu liefern.  In meiner neuen Blog-Reihe möchte ich Ihnen einige Impulse und Anregungen zum Umgang mit schwierigen Entscheidungen anbieten. Heute geht es im zweiten Teil um Dilemmata-Situationen.

Wer kennt die Situation nicht: Gefühlt sitzen wir in der Zwickmühle und müssen uns für eine Sache entscheiden. Alle Alternativen sind wenig attraktiv und eigentlich nicht das, was man selbst gerne hätte. Die Zeit drängt, was nun? Mit jedem Tag, der vergeht, wird der emotionale Druck größer und größer.

In meiner Praxis als Executive Coach erlebe ich immer wieder Coachees, die nach Wegen aus einer privaten oder beruflichen Zwickmühle beziehungsweise einem Zielkonflikt suchen. Vor wenigen Tagen ist mir wieder eine solche Situation begegnet. Mein Coachee war mit der Frage konfrontiert, ob er das Angebot seiner Firma, als Niederlassungsleiter ins Ausland zu gehen annehmen sollte oder nicht. Einerseits reizte ihn das Angebot und die Chance beruflich voranzukommen und mehr Geld zu verdienen, andererseits müsste er dann seine Familie davon überzeugen, mit ihm zu gehen und ihr gewohntes Umfeld und den Freundeskreis zu verlassen. Was, wenn die Familie nicht mitzieht? Wie geht es in der Firma weiter, wenn er das Angebot ablehnen würde? Man konnte meinem Coachee ansehen, dass ihn diese Fragen schon einige schlaflose Nächte lang beschäftigt hatten. Es war spürbar, wie sich mein Gegenüber in der Emotionsfalle des Entweder / Oder befand. Er schilderte ausführlich seinen Weg durch die Emotionen des Vermeidens, des Kämpfens, der Resignation und der Verzweiflung.

Um sich aus einer solchen Emotionsfalle zu befreien, ist ein Perspektivwechsel notwendig, der oft Rettung aus der Verzweiflung bringt. Indem wir unseren Blick erweitern, einmal völlig andere Sichtweisen annehmen und eine emotionale Distanz zu dem Problem schaffen, können wir loslassen. Dies ist wiederum Voraussetzung, um aus dem mentalen Problemraum in den Lösungsraum zu wechseln. Die Betrachtung der Situation in einem Tetralemma erbrachte neue Impulse:

Diese Sichtweise erlaubt neben der Wahl zwischen dem Einen und dem Anderen weitere Optionen. So können wir damit auch die Möglichkeiten Beides oder Beides nicht und schließlich des Keines von allem, etwas ganz anderes in Erwägung ziehen. In einer Brainwriting Übung erarbeiteten mein Coachee und ich nun Gedanken zu Pros und Contras, offenen Fragen und ungeklärten Punkten und dokumentierten diese auf Moderationskarten. In einer anschließenden Aufstellungsübung aktivierten wir seine unbewusste Intuition, um herauszuspüren und wahrzunehmen, was für meinen Coachee wirklich stimmig war. In zuversichtlicher Stimmung verließ er unser Institut.

Aus dieser Erfahrung wird einmal mehr deutlich, dass wir uns in Dilemma-Situation allzu häufig auf ein Entweder / Oder fokussieren. Entdecken wir bewusst die Möglichkeiten von Alternativen!

In unserem nächsten Coaching-Letter Teil 3 geht es um Entscheidungsfindungen in Teams. Ich freue mich, wenn Sie auch im dritten Teil wieder dabei sind und wünsche Ihnen bis dahin gute Entscheidungen.
Ihr Joachim H. Kipke