Food for thoughts, in three minutes: Der MANUS Coaching-Letter entstand aus der Idee, Ihnen zusätzliche Impulse und Gedankenanregungen für Ihren Führungsalltag zu liefern. In meiner neuen Blog-Reihe möchte ich Ihnen einige Impulse und Anregungen zum Umgang mit schwierigen Entscheidungen anbieten. Heute geht es im Teil 1 um den Entscheidungszeitpunkt.

„Eine Führungskraft muss eine individuelle Entscheidungsstärke als Kernkompetenz entwickeln!“ Diesen Satz habe ich in meiner Praxis als Executive Coach des Öfteren von meinen Gesprächspartnern auf der ersten und zweiten Führungsebene gehört. Hier und da hatte ich dabei den Eindruck, dass Entscheidungsgeschwindigkeit mit Entscheidungsstärke gleichgesetzt wird. Statements wie: „Besser eine falsche Entscheidung als gar keine!“ illustrierten diese gefährliche Entscheidungsfreudigkeit, das Schießen aus der Hüfte im Hier und Jetzt. Nicht selten wurden vorschnelle Entscheidung bereut, nicht nur in Las Vegas.

Wie können wir unsere Entscheidungsstärke entwickeln? Für mich sind hier einige Überlegungen wichtig. Zunächst sollten sich Führungskräfte Ihrer eigenen Entscheidungspersönlichkeit bewusst sein. Schnell ist nicht immer gut. Ein zweiter Punkt ist, sich das Heft des proaktiven Handelns nicht aus der Hand nehmen lassen. Entscheidung enthalten Wahlmöglichkeiten, etwas als alternativlos zu bezeichnen, empfinde ich persönlich als Nötigung. Das Wichtigste ist es deshalb, in der Entscheidungsfindung den Zeitpunkt, zu dem die Entscheidung fällt, wenn immer möglich selbst zu bestimmen.

Wie schnell dann letztlich eine sinnvolle und ausgewogene Entscheidung fällt, lässt sich mit der nachstehenden Matrix recht einfach und wirkungsvoll beschreiben. Auf der ersten Achse müssen wir uns die Entscheidungsbedeutung klar machen und auf der zweiten, inwieweit eine Entscheidung korrigiert werden kann, sollte sie sich als falsch erweisen. Hat eine Entscheidung eine hohe Bedeutung und ist nur schwierig und mit beträchtlichem Aufwand umkehrbar, gilt die 72 Stunden Regel, eine Zeitspanne, in der diese Entscheidung reifen muss. Bei hoher Bedeutung und gleichzeitig leichter Umkehrbarkeit stellt sich die Frage, ob alle Optionen und Alternativen tatsächlich bereits erfasst wurden und was es vielleicht noch anderes gibt, da man hier in die Gefahr laufen kann sich aus Bequemlichkeit zu früh schon festzulegen. Bei geringer Bedeutung und schwieriger Umkehrbarkeit stellt sich die Frage, warum ich als Führungskraft selbst entscheiden sollte, und nicht jemand der viel näher am geschehen ist. Und schließlich bei geringer Bedeutung und leichter Umkehrbarkeit, stellt sich schließlich die Frage, weshalb überhaupt zu diesem Zeitpunkt entschieden werden sollte, anstatt sich alle Optionen offen zu lassen.

Wie auch immer wir uns entscheiden, prüfen wir uns selbst, ob wir wirklich davon überzeugt sind, das Richtige zu tun.

In unserem nächsten Coaching Letter Teil 2 geht es um Dilemmata Situationen in der Wahl zwischen Pest und Cholera.  Ich freue mich, wenn Sie auch im zweiten Teil wieder dabei sind und wünsche Ihnen gute Entscheidungen bis dahin.
Ihr Joachim H. Kipke